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Bild von "Marchesa Giulia Colbert" mit Erlaubnis aus dem Haus MARCHESI DI BAROLO

Barolo

Der Barolo ist ein aus der Nebbiolo-Traube produzierter Wein mit den Traubenspielarten Lampia, Michet und Rosé. Er entwickelt ein rubin- bis granatrot, das bei Reifung in ein ziegelrot übergehen kann. Der Barolo gehört zu den besten und bekanntesten Weinen Italiens und er stammt aus dem Piemont. Seinen hohen Stellenwert als „Wein der Könige und Könige der Weine“ erreichte er durch seine Entstehungsgeschichte und seinen Qualitätsanspruch bei der Herstellung.


Inhaltangabe:
DOCG-Bestimmungen
Die wichtigsten Barolo-Produzenten
Geschichte des Barolo
Juliette Victurine Colbert & Louis Oudart
Lagen und Böden
Charakteristik & Geschmack
Herstellung
Entwicklung und Ausblick


DOCG-Bestimmungen für den Barolo:

Der Barolo wird zu 100% aus Nebbiolo-Trauben hergestellt und muss mindestens 3 Jahre lang lagern, davon mindestens 2 Jahre im Fass. Für Riserva-Qualitäten sind insgesamt 5 Jahre Lagerungszeit vorgeschrieben. Dabei darf der Durchschnittsertrag 8 Tonnen pro ha (56hl / pro ha) nicht überschreiten. Wenn es sich um einen Lagenwein mit der Bezeichnung „vigna“ handelt, sind es lediglich 7,2 Tonnen pro ha
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Die wichtigsten Barolo-Produzenten sind:

Elio Altare, Brovia, Bovio, Ceretto, Pio Cesare, Domenico Clerico, Aldo Conterno, Roberto Conterno, Conterno Fantino, Cordero di Montezemolo, Fontanafredda, Angelo Gaja, Bruno Giacosa, Elio Grasso, Guiseppe Mascarello, Marchesi di Barolo, Renato Ratti, Giuseppe Rinaldi, Luciani Sandrone, Enrico Scavino, Paolo Scavino, Roberto Vietti, Roberto Voerzio, uvm.
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Geschichte des Barolo

Kein anderer Wein auf der Welt steht für die Veredelung der Nebbiolo-Traube wie der Barolo.  Der Wein ist nach dem gleichnamigen Ort Barolo und  der Familie „Marchesi di Barolo“ benannt. Was die wenigsten wissen, ist der Umstand, dass dieser Wein ursprünglich einmal süß ausgebaut worden war. Erst in 19. Jahrhundert wandelte sich die Herstellung zu dem heute bekannten trockenen Barolo. Dass der Wein damals süß war, liegt an der spät reifenden Rebsorte Nebbiolo in Kombination mit der späten Einlagerung in den Winter hinein. In Folge konnte der Wein nur in den kalten Monaten November und Dezember fermentieren. Seinerzeit waren keine bzw. unzureichende Hefen vorhanden, die es ermöglichten, dass die Maische unter solchen Bedingungen durchgären konnte. Dadurch blieb eine Restsüße im Wein bestehen.
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Geschichte des Barolo: Juliette Victurine Colbert & Louis Oudat

Es ist Franzosen zu verdanken, dass sich die Vinifizierung des Barolos grundsätzlich änderte.  Es war eine Französin, die den Barolo als erste auf eine andere Bewusstseinsebene holte.  Die adlige und talentierte Dame Juliette Victurine Colbert aus Maulévrier aus dem Gebiet Vendée, das heute zum Department Maine-et-Loire gehört, heiratete 1807 den letzten Marchesi di Barolo. Tancredi Falletti und Juliette Victurine Colbert blieben kinderlos.

Marchesa Giulia Colbert Falletti (Bildquelle: MARCHESI DI BAROLO)

Marchesa Giulia Colbert Falletti (Bildquelle: MARCHESI DI BAROLO)

Die „Marchesa Giulia“ war nach dem Tod ihres Mannes auf sich gestellt und wendete sich zwischen 1838 und 1864 als Witwe der Weinherstellung zu. Es entstanden Weine in den Kellern von „Marchesi di Barolo“ mit großer, starker und lagerfähiger Qualität. Der Name des Weines basierte also sowohl auf dem Familiennamen als auch auf dem Namen des Ortes Barolo.

Eine weitere Entwicklung des Barolos ist Camillo Benso di Cavour zu verdanken. Dieser war zwar für die Einheit Italiens bekannte, hatte aber beim Weinbau und bei der Weinherstellung weit weniger Geschick. Er holte sich den Enologen Louis Oudart. Oudart aus Reims hatte selber seine Weinkellerei Bruché in Genua.  Cavour und die „Marchesa Giulia“ kannten sich gut durch persönliche Begegnungen, unter anderen  hatten sie ich auch in Turin getroffen. Es ist undenkbar, dass aus diesen Begegnungen kein „Know-How“-Transfer in das Haus Barolo erfolgt ist. Im Gegenteil: Das Wissen um die Herstellung des Weines und der richtige Umgang mit der Nebbiolo-Traube legten den Grundstein für den heute bekannten Barolo.

Die Weine aus dem Haus „Marchesi di Barolo“ waren bei der Baroloproduktion viele Jahre vorherrschend.  Doch der Erfolg brachte andere Produzenten aus dem Gebiet dazu, den Wein ebenfalls so zu nennen. Es wurde zu einer nicht hinterfragten Gewohnheit. Erst mit dem Versuch durch Domizio Cavazza, den Namen Barolo auch für den Barbaresco zu verwenden, entstand das Bedürfnis, den Namen geographisch einzugrenzen und zu schützen.

In den Anfängen waren es adlige, die das Gebiet weiter erschlossen. Carlo Alberto di Savola ging im Hause der „Maequise Guiletta“ ein und aus und war ein großer Anhänger ihrer Weine.  Er was so begeistert, dass er selber die Schlösser Verduno und Roddi mit den dazu gehörigen Gebieten kaufte und den Weinbau dort entwickelte. Ebenso kaufte Emmanuel, Graf von Miraflori, Gebiete in Serralunga d’Alba auf. Dort steht das Jagdschloss Fontanafredda. Die Anbindung in das Herrschaftssystem begründet den frühen Ruhm des Barolo und seine bis heute ungebrochene Popularität.


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Lage und Böden des Barolo

Tortonium (Tortoniano)

Das Gebiet Tortonium hat folgende Lagen: Cannubi, La Serra, Rocche, Brunate, Sarmasse und Cereque. Diese Lagen haben alle Böden, die aus kompaktem, fruchtbaren, kalkhaltigen und bläulichen Mergel bestehen und zudem reichhaltig an Magnesium- und Maganverbindungen sind. Dabei hat das Magnesium bei den Nebbiolo-Klonen Lampia und Michet geschmacklich erheblichen Einfluss. Der Barolo aus La Morra, und dem Ort Barolo stehen für milde, fruchtige, samtige, geschmeidige, würzige sowie elegante Weine mit mittelgewichtigem Körper. Die Nebbiolo-Traube reift in diesen Gebieten trotz der Eigenschaften dieser Rebsorte sehr schnell.

Helvetium (Elveziano)

Dagegen steht der Nebbiolo in den Regionen Castiglione Falletto, Serralunga d’Alba und der nördlichen Monforte d’Alba auf weißem, kargem und eisenhaltigem Mergelboden. Das als Helvetium benannte Gebiet hat zudem einen höheren Anteil an Sandstein. In diesen Lagen entstehen sehr wuchtige Weine mit hohem  Alkoholgehalt und viel Tannin. Sie wirken insgesamt robuster und profitieren von langer Lagerung. Zu den wichtigsten Lagen gehören hier Villero, Falletto, Monprivato, Marenca, Fiasco, Ginestra und Bussia Soprana.

Tortonium und Helvetium zusammen bilden den Kern des Barologebietes. Es bleibt noch zu erwähnen, dass die Grenzen erst mit dem DOC-Erlass 1966 endgültig gezogen wurden.  Es ist umstritten, ob die Einbeziehung von Diano d’Alba, Roddi und Cherasco wirklich den Ansprüchen genügt. Die Gemüter erhitzten sich aber schon 1909 an der Einbeziehung von Grinzano, Teile von Verduno  und Novello durch die Landwirtschaftskommission. Vor allem der Ort Barolo und Castiglione Falletto wehrten sich am Ende aber erfolglos gegen die Gebietserweiterungen. 181 Lagen sind heute klassifiziert, für welche die maximale Ertragsgrenze von 7,2t pro ha gilt.

Die Orte Barolo, La Morra, Castiglione Falletto, Serralunga d’Alba und das nördliche Monforte d’Alba vereinen fast 90% der Anbaufläche. Die strengen Regeln zu Höchst-Ertragsmengen und den Fassausbau führten im Jahr 1980 zur Einstufung zur DOCG.
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Charakteristik & Geschmack des Barolo

Vino Vademcum empfiehlt: Nutzen Sie unser Aromarad und die Verkostungsnotizen, um den Charakter dieses Weines selber zu erfahren und zu dokumentieren. Wein ist Geschmackssache, und dessen können Sie sich nur selbst bewusst werden!

Der Barolo ist in der Regel kein tiefroter Wein. Vergleichbar dem Pinot Noir entwickelt der Barolo ein rubin- bis granatrot, das bei Reifung in ein ziegelrot übergehen kann.

Von den Aromen her gesehen, haben alle Barolos Folgendes gemeinsam: Pflaumen, Teer, Rosen und Lakritze zusammen bilden ein festes Korsett, das zusammen mit kräftigem Tannin und hohem Alkohol den Grundcharakter des Barolos ausmacht. Der Alkoholgehalt liegt je nach Jahrgang zwischen 14% und 15%.  Die Kunst der Önologen ist es, die Balance zu finden, damit der gelagerte Barolo nicht zu bitterer oder herben Note neigt.
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Herstellung

Vorab sei gesagt, dass die folgende Unterscheidung zwischen „Traditionalisten“ und „Modernisten“ heute nicht mehr in der Form gegeben ist wie noch in den Jahrzehnten 1970 und 1980. Im Grunde werden heute die meisten Barolo-Weine modern vinifiziert. Dennoch soll hier auch die ursprüngliche „traditionelle“ Methoden dargestellt werden, da es zum Teil heute immer noch unterschiedliche Auffassungen zum „wahren“ Barolo gibt. Zuletzt waren die Diskussion über moderne oder traditionelle Stile Mitte der neunziger Jahre entfacht worden, als überlegt wurde, ob der Anteil der Nebbiolo-Traube im Barolo von 100% auf 90% reduziert werden sollte. Hier konnten sich die Modernisten nicht durchsetzen. Darüber hinaus soll durch die unterschiedlichen Methoden verdeutlicht werden, wie sich der Barolo entwickelt hat.

Herstellung: „Traditionalisten“

Ursprünglich wurde der Barolo mit langen Maischestandzeiten von 30-60 Tagen und in großen Gärfässern von 30 hl hergestellt. Dabei wurde der Tresterhut immer wieder untergetaucht, statt wie bei modernen Verfahrung umgepumpt. Auch wurde die Vergärung in der Temperatur nicht beeinflusst. Die Folge waren sehr schwere tanninreiche Weine.

Herstellung: „Modernisten“

Im Gegensatz zu früher wurde die Zeit der Mazeration auf 10-14 Tage, und die Fassgröße von 30hl auf 7-15hl reduziert. Dasselbe gilt auch für die Erntemengen, die zugunsten der Qualität des Traubenmaterials reduziert und temperaturgesteuert bei maximal 30° Celsius vergoren werden. Nach einer geringeren Fasslagerung werden diese Weine in der Flasche weiter gereift. Das Ergebnis sind fruchtige, nicht so tanninreiche und damit mildere Weine, die sich auch jung trinken lassen.
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Entwicklung und Ausblick

Die Region und der Wein Barolo haben in den 90er Jahren eine fulminante Entwicklung in Weinstilen, und damit auch in den Preisen, hinter sich gebracht. Dabei zeichneten sich zwei Entwicklungen ab. Zum einen der Verkauf der Weine über Handelshäuser und zum anderen die Spezialisierung auf Lagenweine. Dabei gibt es keine klaren Regelungen, was zum Teil zu Verwirrungen führte. So bleibt allein der Markt, der die Lagen mit der Preisentwicklung strukturiert. Auf Grund der erfolgreichen Vermarktung des Barolos wurden in den 90er Jahren neue Bepflanzungen in zum Teil ungeeigneten Lagen ausgebracht und die Erntemengen gesteigert. Deshalb ist ein Preisdruck entstanden. Der Barolo bewegt sich dennoch auf einem hohen Preisniveau. Bleibt abzuwarten, wie sich die Region und der Barolo weiter entwickelt.
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Bildquelle: Das Bild der „Marchesa Giulia Colbert“ wurde freundlicherweise vom Haus MARCHESI DI BAROLO zur Verfügung gestellt.

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Ein Gedanke zu „Barolo

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